← Alle Artikel

Futterumstellung bei Katzen: So gelingt der Wechsel

Zum Thema Futter hat mich mein Kater Minu gebracht. Er war schon kränklich, als er zu mir kam, und durch ihn habe ich angefangen, mich tief in die Ernährung von Katzen einzuarbeiten. Auch bei meiner Katze Mimi war eine Futterumstellung ein wichtiger Teil ihres Weges, um trotz fortschreitender Erkrankung wieder oben auf ihrem heiß geliebten Kratzbaum sitzen zu können. Ich habe erst an meinen eigenen Katzen erfahren müssen, was eine Umstellung alles bringt. Und dass es sich wirklich, wirklich lohnt. Auch wenn man dafür an manchen Stellen echt krassen Gegenwind kassiert.

Und ich kenne die Szene, die viele Halterinnen erleben: Die neue Dose ist offen, deine Katze schnuppert, dreht sich weg und scharrt neben dem Napf, als wolle sie ihn zuscharren. Nach zwei Tagen gibt es wieder das alte Futter. Und beim nächsten Versuch ist sie noch wählerischer als vorher.

Die kurze Antwort

Eine Futterumstellung bei Katzen gelingt am sichersten Schritt für Schritt: Du mischst das neue Futter in kleinen Mengen unter das gewohnte und steigerst den Anteil langsam, im Tempo deiner Katze. Das kann Tage dauern, Wochen oder auch Monate. Entscheidend ist, dass du dranbleibst, denn jeder abgebrochene Versuch macht den nächsten schwerer. Und es gibt eine harte Grenze: Eine Katze bleibt nie länger als 24 Stunden ohne Futter.

Warum sich eine Futterumstellung lohnt

Ein bedarfsgerechtes Futter ist eine wichtige Grundlage für ein langes, gesundes Katzenleben. Es senkt das Risiko für eine ganze Reihe von Erkrankungen: Übergewicht und Gelenkbeschwerden, Probleme mit Magen und Darm, Unverträglichkeiten, Diabetes, Grieß und Steine in den Harnwegen, Erkrankungen von Leber und Nieren.

Futter ist dabei nie der einzige Faktor. Genauso wenig, wie jede Raucherin automatisch an Lungenkrebs erkrankt, wird jede Katze von einem ungeeigneten Futter krank. Aber das Risiko steigt, und das ist ein guter Grund, hinzuschauen.

Viele Veränderungen merkst du schon nach einiger Zeit: Das Fell glänzt mehr und verfilzt weniger, die Hinterlassenschaften in der Toilette riechen weniger streng, und weil hochwertiges Futter meist mehr Nährstoffe enthält, brauchen viele Katzen weniger davon. Ein besseres Futter kostet in der Anschaffung mehr. Langfristig lassen sich damit aber oft Tierarztkosten sparen.

Warum frisst meine Katze das neue Futter nicht?

Deine Katze riecht am neuen Futter, frisst aber nicht? Das ist kein Trotz und keine Undankbarkeit. Es ist Vorsicht, und die ist bei Katzen tief verankert. In der Verhaltensforschung heißt sie Futterneophobie: das instinktive Misstrauen gegenüber unbekannter Nahrung. In freier Wildbahn war das sinnvoll, denn was fremd roch oder schmeckte, konnte verdorben oder giftig sein.

Dazu kommt, wie groß ein Futterwechsel aus Katzensicht ist. Ein neues Futter unterscheidet sich vom gewohnten selten nur in einer Sache. Es verändert sich alles auf einmal:

  1. Die Textur: fest, weich, bröckelig, cremig.
  2. Der Geruch: Katzen verlassen sich beim Bewerten von Futter viel stärker auf ihre Nase als wir.
  3. Der Geschmack.

Fühlt sich auch nur eines davon spürbar anders an als erwartet, kann das reichen, damit deine Katze das ganze Futter als „nicht sicher“ einstuft.

Besonders vorsichtig sind Katzen, die als Kitten wenig Abwechslung im Napf kennengelernt haben, und ältere Katzen mit jahrelang eingefahrenen Gewohnheiten. Viele Futtersorten enthalten außerdem Geschmacks- und Lockstoffe, an die sich Katzen gewöhnen. Ein Futter ohne diese Stoffe schmeckt dann erst einmal fade.

Und dann ist da noch das, was deine Katze von dir lernt. Katzen erkennen Zusammenhänge sehr genau. Kommt nach ein paar Stunden oder Tagen Verweigerung das alte Futter zurück, lernt sie: Verweigern lohnt sich. Jeder abgebrochene Versuch macht den nächsten deshalb schwerer, nicht leichter.

Die eine Grenze: nie länger als 24 Stunden ohne Futter

So wichtig Konsequenz ist, sie hat eine klare Grenze. Eine Katze bleibt nie länger als 24 Stunden komplett ohne Futter.

Der Grund ist die Leber. Frisst eine Katze zu wenig, holt sich ihr Körper die Energie aus den Fettreserven. Dieses Fett landet in der Leber, und die kann es nicht schnell genug verarbeiten. Es lagert sich in den Leberzellen ein, die Leber arbeitet schlechter, und tückischerweise fühlt sich die Katze dadurch satt und frisst noch weniger. Ein Teufelskreis, obwohl regelmäßiges Fressen genau das wäre, was sie jetzt braucht. Medizinisch heißt das hepatische Lipidose, umgangssprachlich Fettleber, und sie kann lebensbedrohlich werden.

Nicht jede Katze, die einen Tag nichts frisst, bekommt eine Fettleber. Aber niemand kann vorhersagen, bei welcher Katze es passiert. Besonders gefährdet sind übergewichtige Katzen und Katzen mit Vorerkrankungen wie einer Schilddrüsenüberfunktion, einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse, Diabetes oder chronischen Darmerkrankungen.

Merkst du, dass deine Katze seit vielen Stunden nichts gefressen hat und die 24 Stunden näher rücken, gib ihr eine kleine Portion ihres gewohnten Futters. Damit endet die Nüchternphase, und du startest danach mit einem sanfteren Weg neu. Das ist kein Abbruch, sondern ein Wechsel der Methode. Kommen Erbrechen, Teilnahmslosigkeit oder eine Gelbfärbung von Haut, Augen oder Schleimhäuten dazu, gehört deine Katze sofort zur Tierärztin, egal wie viele Stunden es sind.

Und frisst deine Katze plötzlich auch ihr gewohntes Futter nicht mehr, ist das keine Frage der Umstellung. Dann ist deine Tierärztin die erste Ansprechpartnerin.

Wie stelle ich das Futter meiner Katze um?

Für jeden Weg gilt: Bleib konsequent und halte durch. Ein halbherziger, immer wieder unterbrochener Versuch schadet mehr, als er nützt.

Schritt für Schritt mischen

Dieser Weg dauert am längsten, ist aber am sichersten und führt in der Regel zum stabilsten Ergebnis. Er passt zu jeder Katze, besonders zu älteren, ängstlichen und vorerkrankten Katzen.

  1. Finde den Einstieg. Misch eine kleine Menge des neuen Futters unter das gewohnte. Frisst deine Katze das problemlos, darf es mehr sein. Lässt sie den Napf stehen, nimm bei der nächsten Mahlzeit weniger, notfalls nur eine Messerspitze. Auch das ist schon ein Erfolg.
  2. Steigere den Anteil jeden Tag oder jeden zweiten Tag um ein kleines Stück.
  3. Zeigt deine Katze Meideverhalten, bleib ein paar Tage beim aktuellen Mischverhältnis, bevor du den nächsten kleinen Schritt machst.
  4. Erst wenn sie das neue Futter zuverlässig frisst, lässt du das alte ganz weg.

Mit Ritual und Appetit

Dieser Weg verbindet das schrittweise Mischen mit festen Mahlzeiten und hilft oft, schneller voranzukommen. Futter, das den ganzen Tag frei herumsteht, meist Trockenfutter, verschwindet. Stattdessen gibt es feste Fütterungszeiten, eingeleitet durch ein Ritual oder ein Wort, das deine Katze mit dem Fressen verbindet. So entsteht Vorfreude, und eine Katze, die sich auf ihre Mahlzeit freut, probiert eher Neues.

In diesem Rahmen bietest du das neue Futter in kleinen Portionen an oder mischst es wie oben Schritt für Schritt bei. Viele Katzen nehmen Neues auch eher aus der Hand an, weil sie das Füttern aus der Hand mit besonders guten Bissen verbinden. Wie viel Futter pro Mahlzeit dabei passt, hängt von deiner Katze ab, von ihrem Gewicht und ihrer Gesundheit. Hier lohnt sich Begleitung.

Und der radikale Wechsel?

Altes Futter weg, nur noch das neue in den Napf, Betteln ignorieren: Das kann schnell gehen, manchmal in zwei, drei Tagen. Ich rate trotzdem davon ab. Wegen der 24-Stunden-Grenze ist dieser Weg mit einem echten gesundheitlichen Risiko verbunden, und für übergewichtige oder vorerkrankte Katzen kommt er gar nicht in Frage. Dazu kommt: Gibst du nach einem Tag doch nach, lernt deine Katze, dass sich noch längeres Durchhalten beim nächsten Mal lohnt.

Wie lange dauert eine Futterumstellung?

Die Frage ist nicht, ob deine Katze das neue Futter irgendwann frisst, sondern wann. Manche Katzen stürzen sich sofort darauf, andere brauchen mehrere Wochen oder sogar Monate. Wie lange es dauert, hängt von ihren bisherigen Erfahrungen und Gewohnheiten ab.

Wenn dir das lang vorkommt, hilft ein Perspektivwechsel: Deine Katze lebt hoffentlich noch viele Jahre. Daneben sind ein paar Wochen Umstellung wenig. Würdige deshalb jeden kleinen Fortschritt, auch die Messerspitze, die heute gefressen wurde und gestern noch nicht.

Tipps, die den Wechsel leichter machen

Viele kleine Kniffe setzen genau dort an, wo der Wechsel für deine Katze schwierig ist: bei Textur, Geruch und Geschmack.

Die Textur angleichen

Feuchte Trockenfutter an oder zerkleinere es leicht, damit sich das Gewohnte und das Neue weniger stark unterscheiden.

Den Geruch nutzen

Biete das Futter mit Zimmertemperatur oder leicht angewärmt an, nicht kalt aus dem Kühlschrank. Wärme setzt deutlich mehr Aromen frei, und das macht das Futter für die feine Nase deiner Katze anziehender.

Den Geschmack in kleinen Schritten einführen

Stell das neue Futter zuerst unvermischt neben das gewohnte, damit deine Katze es in ihrem Tempo beschnuppern kann. Manche Katzen probieren auch, wenn du eine winzige Menge auf ihre Pfote gibst und sie es beim Putzen ablecken. Für den Übergang können natürliche Geschmacksverstärker helfen, etwa ein paar Tropfen Öl, etwas Fett oder ein wenig vom alten Futter. Reduziere sie wieder, sobald deine Katze das neue Futter zuverlässig frisst, damit sie sich nicht an starke Aromen gewöhnt.

Der richtige Napf

Ein flacher Teller statt eines tiefen Napfes kann helfen. Manche Katzen mögen es nicht, wenn ihre Tasthaare beim Fressen den Rand berühren.

Ruhe und Rhythmus

Verzichte während der Umstellung auf Leckerlis, damit deine Katze nicht ausweicht. Bleib selbst gelassen, denn Katzen spüren Anspannung und Erwartungsdruck rund um den Napf sehr genau. Und in hartnäckigen Fällen kann ein neuer Futterplatz helfen, eingefahrene Muster zu durchbrechen.

Von Trockenfutter auf Nassfutter umstellen

Frisst deine Katze kein Nassfutter, weil sie jahrelang nur Trockenfutter kannte, ist das für sie ein besonders großer Schritt. Aus knusprig wird weich, aus trocken wird feucht, und Geruch und Geschmack ändern sich gleich mit.

Hier hilft zuerst die Struktur: Nimm das frei verfügbare Trockenfutter weg und führ feste Mahlzeiten ein, wie oben beschrieben. Dann nutzt du den Geruch des Gewohnten. Leg ein paar Bröckchen Trockenfutter oben auf das Nassfutter oder steck einzelne Bröckchen hinein. So riecht der neue Napf nach etwas Bekanntem, und deine Katze traut sich eher heran. Nach und nach werden es weniger Bröckchen. Auch angefeuchtetes Trockenfutter kann eine Brücke sein, weil es in der Textur schon näher am Nassfutter ist.

Futterumstellung bei mehreren Katzen

Leben bei dir mehrere Katzen, füttere sie während der Umstellung getrennt, am besten in verschiedenen Räumen. Nur so siehst du zuverlässig, welche Katze wie viel vom neuen Futter gefressen hat. Und eine zurückhaltende Katze wird nicht von einer anderen vom Napf verdrängt, die schneller frisst oder sich gern am fremden Napf bedient.

Rechne außerdem damit, dass jede deiner Katzen ihr eigenes Tempo hat. Eine selbstbewusste Draufgängerin probiert Neues oft schneller, eine sanfte Schutzsuchende hängt eher an ihrer Routine. Es ist völlig in Ordnung, wenn die eine längst beim neuen Futter ist und die andere noch bei der Messerspitze.

Wenn die Umstellung einfach nicht klappen will

Manchmal hängt es an mehr als am Futter selbst: am Futterplatz, an den Gewohnheiten, an einer Katze, die beim Fressen nicht zur Ruhe kommt, oder an einer Vorerkrankung, die eine bestimmte Fütterung braucht.

Im Katzenkreis schauen wir auf alles, was deine Katzen brauchen, um sich wohlzufühlen: ihre Bedürfnisse, ihre Ressourcen und ihre Persönlichkeit. Auch das Fressen gehört dazu, denn wie, wo und mit wem eine Katze frisst, hat viel mit ihrem Wohlbefinden zu tun. Hier erfährst du mehr über den Katzenkreis.

Und wenn du dir für die Umstellung Begleitung wünschst: Futter liegt mir ganz besonders am Herzen, und ich helfe dir sehr gerne dabei. „Eine Stunde Klarheit“ kannst du auch als Futterberatung nutzen. Wir schauen gemeinsam, welcher Weg zu deinen Katzen passt, und hat eine deiner Katzen eine Vorerkrankung, stimmst du die Umstellung bitte zusätzlich mit deiner Tierärztin ab. Hier findest du „Eine Stunde Klarheit“.

Häufige Fragen zur Futterumstellung bei Katzen

Wie lange darf eine Katze ohne Futter sein?

Nicht länger als 24 Stunden. Danach steigt das Risiko einer Fettleber, die lebensbedrohlich werden kann. Rückt die Grenze näher, gib deiner Katze eine kleine Portion ihres gewohnten Futters und mach danach sanfter weiter. Bei übergewichtigen oder vorerkrankten Katzen lass es gar nicht erst so weit kommen.

Darf ich während der Umstellung Leckerlis geben?

Besser nicht. Leckerlis sind eine bequeme Ausweichmöglichkeit, und deiner Katze fehlt dann der natürliche Hunger als Antrieb, das neue Futter zu probieren. Wenn du aus der Hand fütterst, dann mit dem neuen Futter.

Hilft es, das Futter anzuwärmen?

Ja, oft. Lauwarmes Futter duftet deutlich stärker als kaltes, und Katzen entscheiden beim Fressen vor allem mit der Nase. Biete Futter deshalb nie direkt aus dem Kühlschrank an.

Ist Durchfall bei einer Futterumstellung normal?

Etwas weicherer Kot kann vorkommen, während sich die Verdauung auf das neue Futter einstellt, vor allem bei einem schnellen Wechsel. Auch deshalb lohnt sich das langsame Mischen. Hält der Durchfall länger als ein, zwei Tage an, kommt Erbrechen dazu oder wirkt deine Katze matt, gehört sie zur Tierärztin.

ÜBER MICH

Hallo, ich bin Miriam

Eigentlich war ich Logopädin. Dann kam Barny, und mit ihm Fragen, auf die mir niemand eine Antwort geben konnte. Ich habe angefangen zu lernen, zu beobachten und zu verstehen. Heute begleite ich Katzen und ihre Menschen in der Beratung, bilde Katzentrainerinnen aus und bin als Katzenexpertin bei hundkatzemaus auf VOX zu sehen.

Was mich antreibt: Ich wünsche mir, dass Katzen als das gesehen werden, was sie sind.

Individuen wie wir, nur in anderen Körpern.

und jetzt du

Du willst mehr?

Wenn dir der Beitrag geholfen hat und du mehr wissen willst, kannst du entweder im Katzenkreis tiefer einsteigen oder in einer Beratung mit mir persönlich sprechen. Ich freue mich auf dich.

Deine Miriam